102 Kilometer Trailrunning auf Java

Ausblick von der Trailrunning-Strecke auf Java (Bild: Thimo Kilberth).

Eigentlich wollte ich kurz vor meinem Diplom nur für ein Studiensemester nach Bali. Mittlerweile sind 17 Jahre daraus geworden, in denen ich mir eine Existenz aufgebaut und meine sportliche Leidenschaft gefunden habe: Ultra-Trailrunning. Vor ein paar Wochen habe ich am 102 km langen BTS Ultra teilgenommen und gewonnen: In 14 Stunden, 13 Minuten und 17 Sekunden war ich am Ziel. Kommt mit auf einen sportlichen Abstecher nach Indonesien.

Trailrunner und SpoHo-Absolvent Thimo (Bild: Thimo Kilberth).

Hallo! Ich bin Thimo. Ich habe 2002 mein Diplom in Sportmanagement und Ökonomie an der SpoHo gemacht –  die Arbeit mit dem Titel „Ein Konzept zur Suche passender Sponsoren für einen Sportverein unter besonderer Berücksichtigung des Image der Sportart“ gibt es übrigens auch heute noch in der Bib. Kurz danach bin ich nach Indonesien gegangen.

Sonnenaufgang über der Tenger-Caldera (Bild: Thimo Kilberth).
Impression Tenger-Caldera (Bild: Thimo Kilberth).

Erstmal sollte es nur für ein Jahr sein. Meine Hauptmotivation war, möglichst viel zu surfen, Kultur und Leute kennenzulernen. 2003 bin ich dann übergesiedelt. Ich habe in den letzten Jahren im Bereich Marketing / Sales vorwiegend mit lokalen Fabriken zusammen gearbeitet. Aktuell arbeite ich daran, das sogenannte „Bali Sport Center“ zu eröffnen. Außerdem bin ich Gastgeber für Outdoor- und Trailrunning-Camps.

Thimo Kilberth in Wettkampfatmosphäre (Bild: BTS Ultra 100).

Ultra-Trailrunning ist auf Bali zu meiner Leidenschaft geworden. Zu Studienzeiten habe ich von allem etwas gemacht: Surfen, eine Saison Fußball bei Hohenlind und etliche Stunden im Kraftraum der Leichtathletikhalle verbracht. Zum Trailrunning bin ich 2016 mehr aus Übermut gekommen, als aus reiflicher Überlegungen.

Thimo Kilberth an einer Verpflegungsstation (Bild: BTS Ultra 100).

Ich habe damals aus Spaß mit ein paar Kumpels bei einem Obstacle Rennen mitgemacht. Das ist ein Extremhindernislauf, bei dem man verschiedenartige Hindernisse, wie Reifenbarrikaden, Kriechstrecken oder Kletterwände überwinden muss. Einer aus dem Team meinte dann, wenn wir mal eine richtige Herausforderung suchen, dann sollten wir doch lieber am Berg-Rennen auf den Gipfel des Mount Agung in Bali teilnehmen.

Impression Java (Bild: Thimo Kilberth).

Natürlich – wie man das von SpoHos und ihren Freunden kennt – haben wir uns umgehend angemeldet. Erst danach haben wir gemerkt, dass der Gipfel bei 3.050 Metern liegt und eine spezielle Vorbereitung bestimmt eine gute Idee wäre. Trotz diverser Anfängerfehler – wir sind zum Beispiel am Berg viel zu schnell losgelaufen und haben nach den ersten 14 Minuten ernsthaft überlegt, ob es nicht besser wäre aufzugeben; zudem hatten wir ein viel zu schweres Frühstück und mussten auf halbem Weg zum Gipfel nach einer Toilette suchen – lief das Rennen besser als erwartet.

BTS Ultra 100 (Bild: Thimo Kilberth).

In den darauf folgenden zwei Jahren wurden die Distanzen immer länger, und ich habe gemerkt, dass mir Rennen ab 70 Kilometern so richtig gut liegen. Auf Empfehlung meiner Lauf-Buddies wurde ich auf das „BTS Ultra 100“ aufmerksam. Das BTS Ultra 100 ist das bekannteste Ultra-Trail-Rennen in Indonesien. Es findet einmal im Jahr statt.  Die Strecke ist sehr anspruchsvoll und führt durch die atemberaubende Landschaft des Bromo-Tengger-Semeru-Nationalparks.

Eingang zum Bromo-Tengger-Semeru-Nationalpark (Bild: Thimo Kilberth).

Der Vulkan Bromo ist einer der aktivsten Vulkane Indonesiens, die Tengger sind ein Volk mit ca. 600.000 Angehörigen, die schwerpunktmäßig in der Bromo-Region wohnen, und der Vulkan Semeru ist mit 3.676 Metern der höchste Berg auf der indonesischen Hauptinsel Java.

Tengger Kaldera (Bild: Thimo Kilberth).
Bild: Thimo Kilberth.

Die Tengger Kaldera, ein kesselförmiges Tal vulkanischen Ursprungs, wird auch Sandmeer genannt und steht seit 1919 unter Schutz. Am BTS Ultra 100 nehmen jedes Jahr weit über 1.000 Läuferinnen und Läufer teil, die sich auf vier verschiedene Kategorien aufteilen (30 km, 70 km, 102 km und 170 km).

Startschuss beim BTS Ultra 100 (Bild: BTS Ultra 100).

Ich habe 2017 und 2018 jeweils an der 70-Kilometer-Kategorie teilgenommen und für 2019 eine neue Herausforderung gesucht. Es sollten die 102 Kilometer sein! Ich kannte einen Teil der Strecke vom BTS 70 km und wusste, dass die 100-Kilometer-Strecke ja noch mal fast die Hälfte länger ist. In der Vorbereitung habe ich viele Bergläufe in der Gegend um den Batur Vulkan auf Bali gemacht. Außerdem habe ich Power Hiking ausgesucht, weil ich die 102 Kilometer unbedingt ohne Trekkingstöcke laufen wollte. Dazu kamen Läufe auf Sand und bei 32 Grad aufwärts. Normalweiser wird es nämlich im Sandmeer mittags richtig heiß.

Thimo Kilberth beim Überqueren des Sandmeeres (Bild: Thimo Kilberth).

Meistens war ich während des Trainings mit Rucksack und der Pflichtausrüstung des Rennens unterwegs, um mich an das Zusatzgewicht zu gewöhnen: Die Pflichtausrüstung besteht aus mindestens 1,5 Litern Wasser, Snacks, Rettungsdecke extra leicht, Stirnlampe und Ersatzbatterien. In den drei Monaten der Vorbereitung habe ich die meisten Trainings-Kilometer im Bereich der Grundlagenausdauer durchgeführt, dazu etwas Bergauf-Laufen und spezielles Krafttraining für Beine und Rumpf.

Moment kurz vor dem Start (Bild: BTS Ultra 100).

Und dann war der Tag des Rennens gekommen: Zehn Stunden vor dem Start musste wegen starker Vulkanaktivität und wegen lokaler Waldbrände ein Großteil der Route spontan geändert werden. Es ging deshalb nicht zum Vulkan hoch, dafür aber zweifach den berüchtigten B29 Anstieg hoch, 44 Prozent Steigung auf 800 Metern Wegstrecke. Start war um Mitternacht. Der Favorit auf Basis des Rankings der International Trailrunning Association war Lukasz Soblik aus Polen. Schon wenige Meter nach dem Start war er in der Dunkelheit verschwunden.

Bild: BTS Ultra 100.

Ich war in einer kleinen Verfolgergruppe. Bei Sonnenaufgang um fünf Uhr morgens, das war ungefähr bei Kilometer 35, konnte ich mich von der Gruppe absetzen und war zu diesem Zeitpunkt ca. eine Stunde hinter dem Führenden. Bei dem Versuch, möglichst viel Zeit zwischen mich und die Verfolgergruppe zu bringen, schmolz auch der Abstand auf Lukasz. Nach drei Stunden konnte ich ihn zum ersten Mal am Horizont erkennen.

Sonnenaufgang auf der Wegstrecke (Bild: Thimo Kilberth).

Nach weiteren 15 Kilometern hatte ich ihn dann am Verpflegungspunkt bei Kilometer 70 eingeholt. Die nächsten 20 Kilometer waren fast Teamwork, um die Verfolger auf Abstand zu halten.

Impression von der Laufstrecke (Bild: Siksorogo).
Steiler Anstieg auf der Strecke. Die Läufer*innen sind winzig zu erkennen (Bild: Siksorogo).

Ziemlich kaputt ging es dann zum höchsten Punkt des Rennens bei 2.800 Metern. Bei dem folgenden Downhill bei Kilometer 90 konnte ich mich etwas absetzen. Trotzdem musste ich auf den letzten zehn Kilometern pausenlos über die Schulter nach den Verfolgern gucken. Am Ende läuft man nochmal einen schnurgeraden Anstieg über drei Kilometer zum Ziel hinauf.

Zieleinlauf von Thimo Kilberth nach 102 km (Bild: BTS Ultra 100).
Umarmung im Ziel (Bild: BTS Ultra 100).

Ohne Trekkingstöcke und fast am Ende meiner Kräfte kam ich nach 14 Stunden, 13 Minuten und 17 Sekunden als Erster ins Ziel. Mein kühnster Traum ist damit wahr geworden: Ich habe mein erstes 100k-Trail-Rennen gewonnen.

Streckenprofil des Rennens (Bild: Thimo Kilberth).
Siegertreppchen der Kategorie 102 km des BTS Ultra 100 (Bild: BTS Ultra 100).

Ich blicke zufrieden auf jede Trainingssession zurück und auf die frühe Anreise zwecks Höhenanpassung.  Mein Ziel für 2020 ist die Asia-Trail-Master-Rennserie. Wer dort innerhalb von zwei Jahren sechs ATM-Rennen über 100 Kilometer finished, bekommt den „GrandMaster“ Titel verliehen.

Thimo Kilberth mit Medaille (Bild: Thimo Kilberth).

Ich werde versuchen, die noch offenen fünf Rennen in 2020 zu schaffen und im Dezember 2020 die Grandmaster-Trophäe in den Händen zu halten. Alle, die Lust haben, mich auf dem Weg dorthin zu begleiten, können über Instagram dabei sein. https://www.instagram.com/ultra_teekay/


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