Aller Anfang ist schwer.

Aller Anfang ist schwer. Aber die längsten Wege führen bekanntlich an die schönsten Ziele. Nachdem der Entschluss gefallen war, dass wir unsere Kommilitonin Razieh in Iran besuchen wollen, die Flüge gebucht waren und alle das Visum in der Tasche hatten, haben wir uns am 19. Mai auf den Weg zum Köln Bonner Flughafen gemacht. “Es geht los, wir machen das wirklich” -spontan wurden in der Schlange zum Check-in noch Auslandskrankenversicherungen gebucht und die Mitarbeiter von Turkish Airlines konnten es kaum glauben: “Was wollt ihr denn in Teheran?” Doch das Unwetter und die KVB haben zweien der siebenköpfigen Reisegruppe schon fast vor Abflug einen Strich durch die Rechnung gemacht. Nur gut, dass auch Flugzeuge bei Unwetter vor Verspätungen nicht gefeit sind und so saßen schließlich alle pünktlich und voller Vorfreude auf das Unbekannte am Gate. Mit drei Stunden Verspätung verließen wir in Köln endlich die Startbahn.

In Istanbul angekommen dann die Gewissheit darüber, was wir befürchtet hatten: Der Anschlussflug nach Teheran konnte nicht warten und die nächstmögliche Verbindung stand erst am folgenden Tag abends auf dem Flugplan. Die Lösung: Eine kurze Nacht und ein Tag in Istanbul. Was sich im ersten Moment gar nicht so verkehrt anhört, vor allem wenn jemand dabei ist, der schon über ein Jahr in Istanbul gelebt hat. Doch die kurzzeitige Illusion von Sightseeing und Erinnerungsfotos am Bosporus wurden uns mit einer zweistündigen Busfahrt zum Hotel weit außerhalb Istanbuls genommen. Nach einer kurzen Nacht und einem ausgiebigen Frühstück im Hotel mit viel Pomp, ging es den gleichen Weg zurück – vom asiatischen Teil Istanbuls zum Flughafen auf der europäischen Seite der Millionenstadt.

Teil zwei der Reise stand also nichts mehr im Weg. Kurz vor der Landung in Teheran haben die Mädels der Gruppe sich bereit gemacht und zum ersten Mal einen Schal locker über den Kopf gelegt, so wie alle Frauen im Flieger. Schon am Flughafen in Istanbul und im Flugzeug haben wir einen ersten Eindruck von der riesigen Gastfreundschaft und Offenheit der Menschen zu spüren bekommen. Von vielen Seiten wurde uns aus dem Nichts viel Spaß im Iran gewünscht, wir wurden gefragt, was wir vorhaben und es wurden weitere Reiseempfehlung ausgesprochen.

Nachdem wir die Passkontrolle hinter uns gelassen hatten, war die Erleichterung bei allen zu spüren – alle Visa waren gültig und wurden akzeptiert. Ein Cousin von Razieh und ein Chauffeur brachten uns vom Flughafen in den nördlichen Teil Teherans zum Haus der Tante. Die Verspätung hatte uns die Party mit Razieh und ihren Freunden außerhalb Teherans gekostet, doch mit weit offenen Armen wurden wir von ihrer Familie empfangen. Nach einer Runde Tee und einem kurzen kennenlernen vielen wir gegen 4 Uhr erschöpft nach einer langen Reise ins Bett.

An Ausschlafen war jedoch nicht zu denken. Razieh hat in den letzten Wochen einen detaillierten Reiseplan entworfen, Flüge gebucht, Hotels gebucht, Fahrer organisiert und Restaurants rausgesucht, um uns einen unvergesslichen Eindruck von ihrem Heimatland Iran zu vermitteln. Direkt das erste Frühstück gemeinsam mit ihren Eltern und weiteren Mitgliedern ihrer Familie hat uns beeindruckt – der Tisch voll gefüllt mit traditionell iranischem Essen, Tee, Kaffe und Gesprächen in einem Mix aus Englisch und Kommunikation mit Händen und Füßen.

Mit dem nächsten Fahrer ging es zum Golestan Place im Zentrum von Tehran. Am ehemalige Sitz des persischen Monarchen wurde an Glanz und Prunk nicht gespart. Der grüne Garten, die aufwändigen Wandmalereien und Mosaik an der Außenseiten hinterließen einen ersten nachhaltigen Eindruck – ebenso der Straßenverkehr und die Gelassenheit unseres Van-Fahrers. Straßenbegrenzungen auf mehrspurigen Straßen haben im Iran nämlich so gut wie keine Bedeutung. Chaos, Roller und Hupen als Signal zum Überholen bestimmen die Straßen. Doch ohne Schwierigkeiten hat uns der Fahrer zum Lunch in ein Restaurant gebracht, in dem wir uns durch unterschiedliche iranische Spezialitäten probiert haben. Die Motivation, möglichst viele traditionelle Getränke zu testen, führte dazu, dass sich einige über einen halben Liter Ayran mit unterschiedlichen Gewürzen freuten, was sich in Summe anfühlte, wie Salatdressing trinken, und andere eine natürliche Limonade genossen, die – wie so viele Lebensmittel – mit “süß” nur untertreibend beschrieben werden konnten.

Teheran als erster Stopp auf unserer Reise hat uns vor allem eins gezeigt: Gastfreundlichkeit und Offenheit. Wir sind gespannt was uns auf dem weiteren Verlauf unserer Reise erwartet. Stay tuned!


Aus dem Iran bloggen die Spoho-Studierenden Arne Weise, Maximilian Herzog, Viola Torliene, Julia Weber, Annika Söllinger, Katrin Wallmann, Razieh Shams und Jennifer Fischer.


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