Vom Süden nach Shiraz

Vom Süden des Landes führte es uns in die Stadt Shiraz. Da die Straße aus dem Süden weiter Richtung Norden von den Einheimischen als nicht sicher eingeschätzt wurde, ging es für uns zurück zum Flughafen. Auch hier wurden wir von unterschiedlichen Seiten angesprochen – ein höfliches Interesse daran, was uns in den Iran verschlug, und weitere Reisetipps wurden ausgesprochen. Spätestens jetzt war uns klar, dass zehn Tage bei weitem nicht reichen würden, um nur im Ansatz alles zu sehen, was uns empfohlen wurde. Auf dem Inlandsflug, der ca. 50 Minuten dauerte, waren die Mädels der Reisegruppe – eben den Flugbegleiterinnen – die einzigen weiblichen Fluggäste. Umso verwunderter waren wir, als uns die Flugbegleiterin freundlich darauf aufmerksam machte, dass wir Frauen ohne Bedenken unser Tuch abnehmen könnten. Es machte in ihren Augen einfach keinen Sinn, dass man den Deutschen vorschreibt, den Kopf zu bedecken.

Angekommen in Shiraz, überraschte Razieh uns mit der nächsten wunderschönen Unterkunft. Nach einem klassischen Tee zum Empfangen und einer kurzen Pause machten wir uns auf den Weg nach Persepolis – der Ort, an dem im Persischen Reich sämtliche Zeremonien gefeiert wurden. Unser kompetenter Tour Guide füllte die Geschichte der Steinhaufen in einer wüstenartigen Berglandschaft mit zahlreichen Informationen und Details, sodass wir einen Einblick in das Leben der Perser, ihrer Paläste und Zeremonien bekommen haben. Umso beeindruckender, dass diese über 2500 Jahre alte Stadt erst vor 90 Jahren archäologisch entdeckt und aufgearbeitet wurde.

Auch Tag zwei war gefüllt mit kulturellen und traditionellen Highlights. Gleich am Morgen gingen wir in eine Moschee, die mittlerweile nicht mehr für Gebete genutzt wird, aber weiterhin mit aufwendigen Wandmalereien und bunten Fenstern beeindruckte. Für die Mädels der Gruppe ein Programmpunkt, der nur in einem Ganzkörperschleier umgesetzt werden konnte. Für die kurze Zeit, in der wir die Moschee besichtigten, gar kein Problem. Wir bekamen aber ein Gefühl dafür, wie es sich anfühlen muss, seinen Körper in der Öffentlichkeit in dieser Art zu verdecken.

Nach einem Besuch in einem traditionellen Haus mit wunderschönem Garten, führten Razieh und ihre Freunde Mitra und Davood, die sich der Reisegruppe auch schon im Süden angeschlossen hatten, auf den Bazar. Mit großer Vorfreude aber auch einer gewissen Abgespanntheit, im Gedränge verloren zu gehen, ließen wir die zahlreichen Eindrücke und Gerüche auf uns einprasseln. Dank des Verhandlungsgeschicks unserer Freundin Razieh waren schnell die ersten Souvenirs und Mitbringsel gefunden und eingetütet.

Am Abend waren wir auf einer Gartenparty eingeladen. Schon häufiger hatten wir mitbekommen, dass die Iraner, die in der Stadt wohnen, außerhalb einen Garten haben, um dort die Wochenenden mit der Familie zu verbringen. Unsere Illusion, dass uns einer Art „Schrebergarten“ erwarten würde, wurde uns ziemlich schnell genommen, als wir in die Siedlung der Gärten einbogen. Große Häuser mit Pool, Obstbäumen und privaten Sicherheitsdiensten bildeten die Iranischen “Gärten”. Als wir realisierten, dass der private Sicherheitsmann mit seiner Frau und den drei Kindern in einem kleinen Nebenhaus mit auf dem Grundstück lebte, wurde uns einmal mehr klar, dass wir uns in einer der oberen und liberalen Schichten im Iran bewegen. Nachdem wir unser Bestes gegeben hatten, uns einigermaßen angemessen zu iranischer Musik zu bewegen, tönten Kölsche Klänge aus den Lautsprechern und “Guten Morgen Barbarossaplatz” erhielt große Zustimmung von den iranischen Gästen der Party. Ein ausgiebiges und fleischlastiges Barbecue rundete den Abend ab – wie wir mittlerweile schon gelernt hatten, erst zu später Stunde gegen 23 Uhr.

Unser Stop in Shiraz hat uns vor allem kulturelle und historische Eindrücke beschert und erneut gezeigt, wie gastfreundlich die Iraner sind – wir sind gespannt was uns auf unserer nächsten und letzten Station in Isfahan erwartet.


Aus dem Iran bloggen die Spoho-Studierenden Arne Weise, Maximilian Herzog, Viola Torliene, Julia Weber, Annika Söllinger, Katrin Wallmann, Razieh Shams und Jennifer Fischer.


Schreibe einen Kommentar