Zwischen Olympia-Wahnsinn und Bundesliga-Alltag – Meine Zeit bei Eurosport

„Eey, Morgen Keule!“ Kaum ein paar Tage in der Online-Redaktion von Eurosport, war ich schon voll drin im Team. Das lag entweder daran, dass die „Eurosportler“ super aufgeschlossen waren, oder ich gut zu der Truppe gepasst habe. Wahrscheinlich beides. Jedenfalls habe ich mich unter den neun festangestellten Redakteuren (Durchschnittsalter der Sportverrückten lag geschätzt bei höchstens 30 Jahren) und drei Mit-Praktikanten sowie freien Mitarbeitern äußerst gut aufgehoben gefühlt.

Aber zurück zum Anfang: Nachdem ich bereits vor dem Abi bei Eurosport angeklopft hatte und mich im Laufe des ersten Semesters wieder meldete, stieß ich glücklicherweise auf offenen Türen. So hielt ich irgendwann im Sommer letzten Jahres den Vertrag über ein halbes Jahr Praktikum bei dem, allen als Fernsehsender bekannten, Unternehmen, das seit ein paar Jahren zu Discovery gehört, in der Hand.

Ohne, dass überhaupt eine Stelle ausgeschrieben war. So läuft das nun mal in dem Geschäft. Nun brauchte ich also eine vorrübergehende Bleibe in München. Soll ja nicht so leicht sein, sagt man. Ist es nicht. Allerdings hatte ich Glück: Eine Email, ein Telefonat und eine Besichtigung später –  und ich hatte die Zusage für eine WG. Preis: Erstaunlicherweise bezahlbar.

Nach der letzten Klausur im September begann mein Urlaubssemester, das ich im Vorfeld beantragt hatte, und damit auch der „Arbeitsalltag“. Von Alltag kann, auch wenn ich mich schnell daran gewöhnt habe, neun Stunden an fünf Tagen die Woche (einschließlich Wochenende) zu arbeiten, aber keine Rede sein.

Gerade die erste Zeit lernt man ständig neue Tools und Co. kennen. Klar, das sollte bei jeder neuen Stelle so sein. Das Besondere in der Sportredaktion ist jedoch, dass man sich nahezu jeden Tag mit neuen Themen befasst. In meiner ersten Woche war das Top-Thema Nummer eins zum Beispiel: Wer wird Nachfolger von Carlo Ancelotti bei den Bayern? Kurz darauf stand dann fest: Heynckes macht’s wieder. Sich am Umgang mit der Neuigkeit und den Diskussionen im morgendlichen Redaktionsmeeting zu beteiligen, was wann produziert und publiziert wird, ist schon etwas Besonderes. 

Ein paar Tage später wurde mir auch schon die Möglichkeit gegeben, einen eigenen Text zu verfassen. Auch wenn es sich „nur“ um eine kurze News handelte…es sollten noch mehr Beiträge folgen.

Natürlich gibt es auch bei diesem Job weniger anspruchsvolle Aufgaben. Den guten alten Teletext auffrischen, englische Sportbegriffe aus einer Excel-Liste ins Deutsche übersetzen und vorgefertigte Meldungen im Redaktionssystem anzulegen, war ebenso Teil des Day-to-day-business. Auch dafür muss man brennen.

Das zahlt sich aus. Als ich den Redaktionsleiter bei einem Facebook-Live mit unserem Kommilitonen Fabian Hambüchen unterstützt habe, hat er gemerkt, dass ich noch etwas mehr auf dem Kasten habe. Daraufhin hat mich der Boss mit der Aufgabe betraut, die Olympiaeinkleidung des DOSB vor Ort zu begleiten. Im Münchner Postpalast (einer Eventhalle in der Innenstadt) haben die Athletinnen und Athleten Einmarschkleidung, Outfit für die Medaillenzeremonie und Co. erhalten. Insgesamt schlappe 66 Teile.

Das komplette DOSB-Team wurde dort im Laufe der Woche ausgerüstet. Den Anfang machten die erfolgreichen Rodler Natalie Geisenberger und Felix Loch. Meine Aufgabe war es, Interviews mit beiden zu führen. Dann haben wir uns Eurosport-Experte und Skisprung-Legende Martin Schmitt geschnappt und ihn ein Facebook-Live mit dem Eisschnellläufer Nico Ihle machen lassen.

Kommt einem schon etwas unwirklich vor, einen Star wie Schmitt zu instruieren und mit ihm als „Kollegen“ zu arbeiten. Vor allem, da Martin wirklich bodenständig wirkt und einfach so völlig „normal“ ist. Sehr sympathisch!

Am nächsten Tag war ich gerade erst aufgestanden und halb unter der Dusche, als mein Handy klingelte. Der Boss war dran:

„Du, der Snowboarder Konstantin Schad ist gerade bei der Einkleidung. Mit dem könntest du doch ein Facebook-Live machen. Wie lang bräuchtest du, um dort zu sein?“

„Bin quasi auf dem Weg.“

Also habe ich mich in der U-Bahn auf meinen ersten Live-Auftritt als „Social Reporter“ vorbereitet. Spontan und frei heraus klappt das (mit etwas Hintergrundwissen) sowieso am besten. Es folgten Interviews mit Benedikt Doll und Anna Seidel. Daran könnte ich mich gewöhnen.

Natürlich habe ich versucht Laura Dahlmeier vors Mikro zu kriegen. Nach über zwei Stunden mehr oder weniger geduldigem Warten und einer ordentlichen Portion Standhaftigkeit hatte der Pressesprecher aber etwas dagegen einzuwenden. Irgendwie wollte er mit seinen Athleten nicht den restlichen Tag vor Kameras verbringen. Mir völlig unverständlich …

Da ich zu dieser Zeit als Spätschicht eingeteilt war und das Ganze quasi während meiner verbliebenen Freizeit gemacht habe, durfte ich in der darauffolgenden Woche als Entlohnung in die Allianz Arena. Zum zweiten Mal! Zuvor bot sich die Gelegenheit, weil die festen Redakteure verhindert waren. Also bin ich gefragt worden, ob ich Lust hätte zu den Bayern zu fahren und einen Text zu liefern. Gar keine Frage!

Zwei Stunden vor Anpfiff in Fröttmaning sein, um sich akkreditieren zu lassen und am Buffet zu schlemmen. Dann auf der Medientribüne Platz nehmen, das Spiel verfolgen und Notizen machen. Kurz unterbrochen von einer Kuchenpause in der Halbzeit. Nach Schlusspfiff in die Mixed Zone, Aufnahmegerät zücken und den Spielern ein paar brauchbare Zitate entlocken. Nichts wie in die Redaktion und an den Nachbericht machen. Ein Traum von einem Arbeitstag!

Das 4:2 gegen Werder und 5:2 gegen Hoffenheim waren zudem noch äußerst kurzweilige und unterhaltsame Partien.

Und dann begann endlich die Zeit, auf die alle hingearbeitet hatten: Die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang. Zusätzlich zur Normalbesetzung wuselten auf einmal 15 zusätzliche sogenannte Freelancer (freie Mitarbeiter) in der Redaktion umher. Da kam es am Anfang schon mal zu Abstimmungsproblemen und Stau vor den Rechnern.

Doch dann lief die Maschinerie für zweieinhalb Wochen durchgehend. Inklusive Nachtschicht. Jeder hatte einen Zuständigkeitsbereich. Darunter viele neue Aufgaben, die vorübergehend in die üblichen Abläufe integriert werden mussten.

Beim stupiden Überprüfen von On-Demand-Videos und dem dazugehörigen Ausfüllen von Excel-Liste fühlt man sich zuweilen unterfordert, oder ersetzbar. Auf Dauer ist das ziemlich ermüdend. Nichtsdestotrotz versucht man auch bei den Aufgaben 100 Prozent zu geben, denn jeder trägt zum Erfolg des Projekts bei.

Der absolute Höhepunkt war selbstverständlich die Berichterstattung des Kommentatoren-Duos beim Finaleinzug unserer Eishockey-Jungs. Zurück in der Redaktion in München gab es dann den gebührenden Empfang. Es war schließlich DIE Geschichte der Spiele. Mehr Emotion geht nicht.

Nach dem Mega-Event war meine Praktikumszeit auch schon beinahe vorbei. Man sagt das ja immer so, aber diese sechs Monate vergingen wirklich wie im Flug.

„Keule, hau rein!“ Ich werd’s vermissen.


Kommentare

  • Kalli

    17. Juli 2018

    Klingt nach einer tollen Zeit. Ich hoffe, dass du den Blog weiterhin gut pflegst.

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