Ein Monat in Jozi – Fortsetzung

Ein Monat in Jozi …

… der schneller zu Ende ging als gedacht und doch so viele Eindrücke hinterlässt.

Vier Wochen sind nun schneller zu Ende als anfangs gedacht. Gerade weil nach meinem letzten Artikel inhaltlich noch lange nicht Schluss war und zusätzlich super viele spannende Sachen um das Unileben herum stattgefunden haben. Aber erst einmal der Reihe nach.

 

Schon einmal eine Gastvorlesung vor über 120 Leuten gehalten?

Klar, Präsentationen halten gerade wir SPOHOS zu genüge in allen Seminaren, aber eine Gastvorlesung vor 120 unbekannten Studierenden ist dann doch noch einmal eine andere Nummer! Als mich Prof. Roux vom Olympic Studies Centre der University of Johannesburg (UJ) gefragt hat, ob ich die Olympische Bewegung vorstellen möchte, habe ich natürlich nicht gezögert. Alles, was ich im letzten Semester in meinem Master über die Olympischen Spiele und die Bewegung gelernt habe, habe ich komprimiert und in einer Präsentation verpackt. Als ich den „Seminarraum“ betrete, merke ich, dass das kein kleines Seminar ist, sondern eine Vorlesung in einem Auditorium. Ein ziemlich überwältigendes Gefühl vor so einer großen Gruppe zu stehen und über ein Thema zu referieren – jedem, der einmal die Möglichkeit hat so etwas zu machen, kann ich nur sagen: Do it!

 

 

Zusätzlich habe ich mein erstes Interview selbst durchgeführt, um Stimmen für das Archiv des OSC zu sammeln. Für alle, die „irgendetwas mit Medien“ studieren, mag das vielleicht nichts Besonderes sein, aber für mich war es spannend, auf was man alles zu achten hat: Licht, Ton, Hintergrund und vieles mehr. Aber ich habe nicht nur interviewt, sondern ich bin auch interviewt worden. Und zwar von einem französischen Journalisten, der sich für die Zeit des südafrikanischen Ausschlusses bei den Olympischen Spielen zwischen 1964 und 1988 interessiert. Da wir Europäer uns meistens nur mit dem Konflikt zwischen Ost und West befassen, wenn wir zurück an die 1960er bis 1980er Jahre denken und die damit verbundenen Boykotts, möchte ich einmal kurz Folgendes illustrieren:

 Die Perspektive Südafrikas zu den Olympischen Spielen zu Zeiten des Apartheidregimes

Besonders die dunkle Geschichte der Apartheid und des im Gesetz verankerten Rassismus ist ein Thema, das mir hier in vielerlei Hinsichten Tag für Tag begegnet. In Südafrika hat eine lange Zeit eine weiße Minderheit über die Mehrheit der Bevölkerung regiert und diese im Sinne der Rassenideologie unterdrückt. Rassenideologie: Mich schüttelt es schon, wenn ich dieses Wort hier schreibe. Aber ich glaube es gehört dazu, darüber zu sprechen und zu reflektieren. Dadurch, dass schwarze, weiße und farbige Menschen von einander getrennt worden sind, in Bussen, an Stränden und in der Arbeitswelt, haben sich viele Ressentiments aufgebaut. Weil dies nicht mit der Charter des IOC vereinbar ist, wurde das Nationale Olympische Komitee Südafrikas von 1964 bis 1988 von den Olympischen Spielen gesperrt. Eine wahnsinnig lange Zeit, in der viele Topathleten und Topathletinnen nie an internationalen Wettkämpfen teilnehmen durften. In Archiven und in Gesprächen mit Zeitzeugen findet man Beweise, mit welchen Mitteln man versucht hat, das IOC davon zu überzeugen doch teilnehmen zu dürfen. Diese verschiedenen Quellen sammelt der UJ Olympic Studies Centre und ich helfe dabei, diese zu analysieren und sortieren (dafür auch das Interview mit Renate und Gert Potgieter). Besonders spannend ist es, die verschiedenen staatlichen, nicht-staatlichen, pro und contra Akteure herauszufinden und ihre Arbeit gegenüberzustellen. Stellt euch einmal vor, ihr gehört zu den Besten in eurer sportlichen Disziplin in eurem Land, haltet sogar vielleicht einen offiziellen Weltrekord und dürft euch nicht bei den Olympischen Spielen mit den anderen Topathleten oder Athletinnen messen.

An meinem letzten Tag hatte ich noch die Gelegenheit Gideon Sam, den Präsidenten des Nationalen Olympischen Komitees kennenzulernen ebenso wie Sam Ramsamy, Mitglied des IOC und damiliger Vorreiter gegen Apartheid im Sport. Zwei wirklich interessante Persönlichkeiten, die ein paar Einblicke in das südafrikanische Sportsystem gewährt haben. Aber auch außerhalb des Sportkosmos konnte ich hier in Johannesburg spannende Erfahrungen sammeln, genauer gesagt auf dem

 

Drakensberg

Seien wir einmal ehrlich, wenn man an Südafrika im ersten Moment denkt, sind es wohl eher wilde Tiere, Safaris und Farmland. Aber Südafrika hat auch eine andere Seite: Berge. Und genau dorthin hat es mich mit elf anderen Internationals der UJ verschlagen. Genauer gesagt in die Drakensberge. Eine atemberaubende Landschaft auf über 3300 Metern. Grüne Landschaften, hohe Berge, Gebirgsbäche, Seen und Einheimische, die auf ihre Schaaf- und Rinderherden aufpassen. Wer schon einmal ein Austauschjahr gemacht hat, weiß die entspannte Atmosphäre mit den anderen Austauschstudenten beim „Braai“ (Grillen) im Hostel zu schätzen, die ich hier erlebt habe. In jedem Fall ein spannendes Ausflugsziel, falls ihr einmal in Südafrika sein solltet. Studieren, sei es Erasmus oder doch Übersee, ist eine tolle Sache, bei der man vieles über ein fremdes Land und deren Kulturen aber auch über sich selbst erfährt. Soweit nichts Neues aber aus meiner Sicht kann ich auch ganz klar eines empfehlen:

 

Ein Praktikum im Ausland

Obwohl es ist immer ein aufregendes Erlebnis ist, spielt jedoch vor allem der finanzielle Aspekt eine große Rolle. Ich habe beispielsweise Geld gespart, denn eine Vergütung gab hier es nicht. Gleichzeitig ist das aber auch der Vorteil, wenn es um die Visabeschaffung geht! Auch die Tatsache, in eine fremde Arbeitskultur einzutauchen, ist spannend. Denn die meisten hier im Institut, in dem der OSC angesiedelt ist, kommen schon sehr früh morgens um ca. halb 6, gehen dafür aber auch um spätestens 15 Uhr. Auch eine Mittagspause, in der man zusammen essen geht, gibt es nicht. Die Mensa müsst ihr euch vorstellen wie der Foodcourt im Rhein-Center in Weiden, in den sich verschiedene kleine Fastfoodläden eingemietet haben: #healthylife adé. Auch der Transformations Prozess, das heißt gewisse Quoten, die eingeführt worden sind um bestimmte Kulturen in der Arbeitswelt zu etablieren, sind etwas, das wir in Deutschland so nicht kennen. Bedenken wir, dass wir eine Frauenquote in Managementetagen einführen wollen, ist es alles plötzlich doch gar nicht mehr so fern und die pro und kontra Argumente sind in beiden Diskussionen sehr ähnlich. Aber das ist ein anderes Thema…

Alles in allem kann ich nur jedem empfehlen, seinen Horizont zu erweitern und die Möglichkeit eines Auslandspraktikums (auch wenn es nur kurz ist) wahrzunehmen. Die Fotos sprechen, glaube ich, für sich! Falls ihr Fragen zum OSC in Köln oder Johannesburg oder zu einem Auslandspraktikum habt, könnt ihr euch gerne bei mir melden. Ich hoffe, ich konnte euch einen Einblick geben, wie mein Monat hier in Jozi ausgesehen hat.

Bis dahin auf dem SPOHO Campus,

Tim


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