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Blog On Tour

SpoHo op jöck! Mit dem Heimathafen in Köln, begibt sich die SpoHo in alle Welt. Hier berichten Studierende und Dozierende über Auslandsaufenthalte, von ihren Eindrücken bei sportlichen Großevents oder schildern einfach ihre Erfahrungen außerhalb der Domstadt.

Citytour durch Gwangju Downtown

Als Alternative zu Judo habe ich gestern zusammen mit einem Taekwondo-Kollegen (Ewald) eine Tour durch das Stadtzentrum von Gwangju gemacht. Unser Plan scheiterte jedoch zunächst an unserer Orientierungslosigkeit in einem Wirrwarr aus koreanischen Zeichen. Zufällig lief uns beim Herumirren ein Übersetzer über den Weg, der uns sagen konnte, welchen Bus wir nehmen können: Linie 6 Richtung Downtown. Für Teilnehmer der Universiade sind sogar die öffentlichen Busse kostenlos. Während wir auf den Bus warteten, lockte uns der Verkäufer einer Tierhandlung in sein Geschäft. Ewald war mutig und fasste einen Gecko an. Mir hat Fotos machen gereicht.

Verkäufer zeigt eines seiner Reptilien
Verkäufer zeigt eines seiner Reptilien
Ewald mit Gecko
Ewald mit Gecko
Fotoscheuer Gecko
Fotoscheuer Gecko

Es war interessant, mal die “echte” koreanische Bevölkerung zu sehen, die nichts mit der Organisation der Universiade zu tun hat. Mich hat vor allem beeindruckt, wie westlich deren Lebensstil ist. Abgesehen von der Schrift, dem Essen und der Luftfeuchtigkeit, ist es in Korea gar nicht so anders als in Deutschland. Auf der Haupteinkaufsstraße habe ich mich fast gefühlt, wie samstags auf der Hohe Straße in Köln. Es gibt sogar ähnliche Geschäfte (H&M, The North Face, The Body Shop, Vans, Adidas, Puma, Nike etc.). Man fühlt sich zu keinem Zeitpunkt unsicher.

Haupteinkaufsstraße von Gwangju
Haupteinkaufsstraße von Gwangju

Was mich am Stadtbild überrascht hat, ist die Vielzahl von Bäckereien mit außergewöhnlich lecker aussehenden Teilchen. Mir war nicht bewusst, wie gerne die Koreaner Konditoreien oder Bäckereien haben. An jeder Ecke ist eine andere Bäckerei und alle sehen sehr einladend aus. Außerdem ist es hier viel sauberer, als ich erwartet hatte. Es liegt nirgends Müll, obwohl es keine öffentlich zugängigen Mülleimer gibt. Komisch, dass Korea ohne Mülleimer so sauber ist und in Deutschland viele Leute ihren Müll trotz Mülleimer auf die Straße werfen. Das ist wohl eine Mentalitätssache.

Ansturm auf die Produkte einer Bäckerei
Ansturm auf die Produkte einer Bäckerei
Törtchen in der Bäckerei
Törtchen in der Bäckerei

Solche Stände hatte ich eher erwartet. Diese sieht man allerdings zwischen schicken Boutiquen, Cafés und Restaurants eher selten:

Straßenhändler in der Einkaufsstraße
Straßenhändler in der Einkaufsstraße

Ewald und ich haben uns von der Reklame “Korean Dessert Café” verführen lassen. Das traditionelle koreanische Dessert ist das sogenannte “Schneeeis”. Der Name Schnee kommt daher, dass der Hauptbestandteil sehr kleingehacktes Eis (einfach nur gefrorenes Wasser) ist. Davon wird ein großer, fluffiger Haufen in eine Schüssel gestreut. Man kann sich verschiedene Zutaten wie Mandelsplitter, Erdbeeren, Blaubeeren, Krokant oder Schokolade dazu bestellen. Wir haben uns für Mango-Cheesecake-Schneeeis entschieden. Bei diesem Eis werden Mangostücke, Mangosauce, Käsekuchenstücke und Mandeln über den “Schneehaufen” gestreut. Oben drauf ist eine Kugel normales Eis. Man isst zu zweit von einem Teller. Über das Schneeeis macht man eine Art gesüßte Kondensmilch.

Koreanisches Schneeeis
Koreanisches Schneeeis

Der Geschmack ist nicht in Worte zu fassen. Das Besondere daran ist das Gefühl, wenn die feinen Eissplitter auf der Zunge zergehen und gleichzeitig die Süße der Kondensmilch, der cremige Käsekuchen und die fruchtige Mango im Mund aufeinandertreffen. Vielleicht sollte ich lieber Werbung für Schneeeis machen… 😉

Man erkennt die feine Struktur der Eiskristalle
Man erkennt die feine Struktur der Eiskristalle

Es ist jedenfalls sehr empfehlenswert und lecker!

Der Ewald-Marilena Eistunnel
Der Ewald-Marilena Eistunnel

Das deutsche Team und der Sport

Sport ist für uns alle der Anlass dafür, dass wir in Korea sind. Für diese herausragende Bedeutung, ist der Sport im Blog noch zu kurz gekommen. Ich erzähle wieso:

Das deutsche Team besteht aus 120 Athleten aus 13 verschiedenen Sportarten. Die Wettkämpfe der Sportarten finden in Stadien statt, die über die ganze Stadt verteilt sind. Jedes Team hat unterschiedliche Trainingszeiten, Wettkampftage und Ausrichtungsorte.

Es ist etwas schwierig, neben dem eigenen Trainingsplan noch den Überblick zu behalten, wer wann dran ist, mit welchem Bus man wo hin fahren muss und ob die deutschen Sportler noch im Rennen sind.

Infoblatt über die tagesaktuellen Veranstaltungen vom 06.07.
Infoblatt über die tagesaktuellen Veranstaltungen vom 06.07.

Um einen groben Überblick zu haben, steht im Erdgeschoss von Haus 302 eine Informationswand, auf der die tagesaktuellen Wettkämpfe angezeigt sind. Jede Sportart hat zudem die Möglichkeit, andere Sportler zu ihrer Sportart einzuladen oder über Erfolge zu informieren. So bekommt man mit, was bei den anderen Sportarten los ist. Auch über Erfolge wird auf dieser Wand berichtet.

Infowand des deutschen Teams
Infowand des deutschen Teams

Bisher stand mein Engagement, bei anderen Sportarten zuzuschauen, unter keinem guten Stern.

Beim Turnen habe ich den Shuttle-Bus verpasst und bin mit dem Taxi leider erst gegen Ende der Veranstaltung angekommen. Basketball habe ich wegen des Empfangs im Goethe Institut verpasst und die Schwimmerinnen aus meinem Appartement waren immer dann dran, wenn wir Taekwondo-Training hatten.

Heute wollte ich nach dem Training zur Judo-Halle fahren, um die deutschen Judoka  zu unterstützen. Da wir heute später trainiert haben und ich danach noch bei Bodo (unserem Physio) war, konnte ich erst gegen 16 Uhr in den Shuttle-Bus steigen. Im Bus sagte mir ein Vertreter des deutschen Teams, dass die Wettkämpfe der deutschen Judoka bereits vorbei seien und die weiteren Kämpfe (leider ohne deutsche Beteiligung) erst gegen 17 Uhr beginnen. Ich habe mich daraufhin dazu entschieden, lieber die Stadt zu erkunden. Dazu mehr im nächsten Blogeintrag.

Man bekommt aufgrund dieser Umstände eher wenig von den anderen Sportarten mit. Einen Basketballer treffe ich immer beim Physio und im Aufzug…wir haben wohl einen ähnlichen Tagesrhythmus. Das Team der Schützen treffe ich im Waschsalon und beim Getränkeautomaten und die Judoka ab und zu auf dem Gelände. Marvin, den Stabhochspringer, der auch an der SpoHo studiert, treffe ich öfter beim Essen. Die Schwimmerinnen sehe ich jeden Tag. 😉

Wegen der verschiedenen Zeitpläne gehen alle Teams zu unterschiedlichen Zeiten essen und man trifft sich eher zufällig. Eine schöne Gelegenheit eines organisierten Zusammentreffens war die heutige Medaillenfeier der Judoka. Drei von ihnen (Maike Ziech, Dino Pfeiffer und Nadja Bazynski) haben eine Bronzemedaille gewonnen und das deutsche Team zu ihrer Feier eingeladen. Die Erfolge der Ruderer (1x Gold, 2x Silber) konnten wir leider nicht gemeinsam feiern. Die Ruderer sind in einem anderen Dorf (Chungju) untergebracht, weil es in Gwangju keine geeignete Strecke gibt.

P.S.: Ich bin heute spontan in den 30. Stock unseres Gebäudes gefahren. Man hat von dort oben eine schöne Aussicht…

Blick auf das Main Stadium Gwangju
Blick auf das Main Stadium Gwangju
Eingangsbereich der Universiade mit "Mart Mart" (Lebensmittelgeschäft mit Fischköpfen)
Eingangsbereich des Universiade-Dorfs mit “Mart & Mart” (Lebensmittelgeschäft mit Fischköpfen)
Blick auf die Stadt
Blick auf die Stadt

 

 

Die Mensa und das Geheimnis um Kimchi

Ich möchte euch nicht weiter auf die Folter spannen. Heute zeige ich den Ort, der bisher in jedem meiner Beiträge vorkam und an dem ich wahrscheinlich die meiste Zeit des Tages verbringe: Die Universiade-Mensa.

Außenansicht der Mensa
Außenansicht der Mensa

Am Tag der Ankunft war ich etwas schockiert von dem Ort, an dem wir essen sollten. Die Mensa ist nämlich die umgebaute Tiefgarage der Universiade-Wohnanlage. Auf einer riesigen, parkhausähnlichen Fläche gibt es drei Stationen mit einem reichhalteigen Buffet.

Die Mensa in der umgebauten Tiefgarage
Die Mensa in der umgebauten Tiefgarage

Als “Attraktion” gibt es eine Station mit koreanischem Essen. Für muslimische Athletinnen und Athleten gibt es den Bereich “Halal”. Halal ist arabisch und bedeutet “erlaubt”. Dort gibt es Essen, das mit Produkten zubereitet ist, die Muslime essen dürfen. Oft sind das indische Curries, Reisgerichte oder Fladenbrot. Der Bereich gefällt mir am besten.

Der Bereich "Halal"
Der Bereich “Halal”

Ich stelle euch das Buffet der normalen Station jetzt genauer vor:

Man nimmt sich (wie in jeder Mensa) ein Tablett und durchläuft das Buffet in folgender Reihenfolge.

1. Brot, Croissants, Marmelade, Butter

2. Salatbar mit Blattsalaten, verschiedenen Saucen (z.B.:Wasabi-Sauce, Apfel-Essig-Sauce), täglich wechselnden “Spezialsalaten”. Heute z.B.: Karotten-Mais-Salat und Pilzsalat

Irische Athletin bedient sich an der Salatbar
Irische Athletin bedient sich an der Salatbar

3. Auswahl an Wurst und Käse

Wurst- und Käseplatte
Wurst- und Käseplatte

4. Suppenstation (Thailändische Suppe, Pilzsuppe, Nudelsuppe)

5. Warme Gerichte 1 (Diese wechseln jeden Tag, z.B.: gebratener Reis, Würstchen, Hähnchenschenkel, gegrilltes Schweinefilet)

6. Warme Gerichte 2 (Hier gibt es Dim Sum, Pizza, Schnitzel, Pommes, Frühlingsrollen)

Gebratenes Gemüse, Pizza und Frühlingsrollen
Gebratenes Gemüse, Pizza und Frühlingsrollen
Dim Sum
Dim Sum

7. Dessert (Wassermelone, Trauben, Bananen, verschiedene Kuchen, Kokosbällchen – mein Favorit)

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Die braunen Kokosbällchen sind die besten, daher schon fast weg

8. Getränke (Wasserflaschen, Säfte)

Außergewöhnlich ist, dass man von Papptellern isst. Am Ende werden diese an speziellen Stationen eingesammelt. Man muss dort das Besteck in verschiedene Boxen werfen, die Essensreste vom Müll trennen und die Pappteller stapeln.

Strikte Abfalltrennung
Strikte Abfalltrennung

Morgens gibt es zusätzlich Stationen mit Rührei, Omelette, Cornflakes und Milch. Sonst bleibt das Büffet den ganzen Tag über gleich. Das beste ist: die Mensa hat 24 Stunden lang auf!

Am Ende gibt es eine Station an der man sich Kaffee und Tee holen kann.

Meine guten Freunde wissen, dass ich sehr gerne Jalapenos esse. Als ich das hier gesehen habe wusste ich, was zu meinem Universiade-Ritual werden würde: Ich esse zu JEDEM Essen Jalapenos.

Eine Schüssel voller Jalapenos
Eine Schüssel voller Jalapenos

Das sind Beispiele für Essensvariationen, die ich mir in den letzten Tagen zusammengestellt habe (Findet ihr die Jalapenos? 😉 ):

Auswahl aus dem Bereich "Halal" mit Salat
Auswahl aus dem Bereich “Halal” mit Salat
Salat, gebratener Reis, Curry, Dim Sum und gebratener Küris
Salat, gebratener Reis, Curry, Dim Sum und gebratener Kürbis
Salat, Pilze, Reis mit Algen, Dim Sum und frittiertes Krabbenfleisch
Vorsichtiger Test: Koreanisches Essen
Vorsichtiger Test: Koreanisches Essen
Mutiger Test: Koreanisches Essen
Mutiger Test: Koreanisches Essen

Wenn wir schon beim Essen sind, möchte ich “Kimchi” vorstellen. Meine erste Begegnung mit Kimchi (im Flugzeug) war nicht sehr erfolgreich. Fertig abgepackt hat er sehr fischig geschmeckt. Frisch zubereitet schmeckt er deutlich besser.

Kimchi gehört in Korea, genauso wie Reis, zu jeder Mahlzeit. Zur Herstellung werden Chinakohlblätter mit einer Mischung aus kleingeschnittenen Zutaten (Rettich, Ingwer, Knoblauch, versch. Gemüse, reichlich Chilipulver) eingeschmiert. Die Kohlblätter werden zu kleinen Päckchen geformt und in Tontöpfe gefüllt. Die Masse wird oben mit einem Stein abgedeckt. Durch Milchsäuregärung wird das Gemisch haltbar und nimmt nach einigen Tagen den typischen Kimchi-Geschmack an.

Das koreanische Traditionbeilage: Kimchi
Die koreanische Traditionsbeilage: Kimchi