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Blog On Tour

SpoHo op jöck! Mit dem Heimathafen in Köln, begibt sich die SpoHo in alle Welt. Hier berichten Studierende und Dozierende über Auslandsaufenthalte, von ihren Eindrücken bei sportlichen Großevents oder schildern einfach ihre Erfahrungen außerhalb der Domstadt.

Begegnungen beim Alleinsein

Normalerweise gehe ich immer zusammen mit meiner Teamkollegin Caro zum Essen, oder wir gehen gemeinsam mit dem Taekwondo-Team. An einem der letzten Tage hatten jedoch alle schon gegessen, weil ich lange beim Physio war. Ich bin daher alleine losgezogen.

Alleine essen gehört zu den Dingen, die ich nicht gerne mache. Ich hatte sogar fast keine Lust zu gehen (was bei mir schon sehr außergewöhnlich ist). Doch der Abend verlief ganz anders, als ich mir es vorgestellt hatte.

Ich setzte mich also alleine an einen Tisch zu einigen Trainern des türkischen Teams. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass mich einer von ihnen prompt ansprechen würde, als er die deutsche Fahne auf meinem Shirt entdeckte. Und zwar auf Deutsch!

Es stellte sich heraus, dass er in Deutschland geboren wurde und lange Zeit in Heidelberg gelebt und trainiert hatte. Er freute sich riesig, endlich mal wieder Deutsch zu sprechen. Seine Teamkollegen brachten mir während unseres Gesprächs türkische Spezialitäten an den Tisch und freuten sich darüber, wenn mir etwas davon schmeckte. Als die Trainer gingen, klebte mir der in Deutschland Geborene einen Marienkäfer als Glücksbringer auf meine ID-Card. Ich freute mich sehr über diese nette Geste.

Selfie mit türkischen Trainern und Franzi, die später dazu kam
Selfie mit türkischen Trainern und Franzi, die später dazu kam

Als ich später (wieder alleine) vor der Mensa Kaffee trank, kam einer der libanesischen Coaches zu mir und wollte eine Anstecknadel mit mir tauschen. Ich musste ihn enttäuschen, weil ich zu dem Zeitpunkt schon keine mehr hatte. Daraufhin schenkte er mir einfach eine seiner libanesischen Anstecknadeln.

ID Card mit Marienkäfer-Glücksbringer und libanesischem Pin
ID Card mit Marienkäfer-Glücksbringer und libanesischem Pin

Als ich nach dem Essen meine Wäsche im Waschsalon abholen wollte, war gerade eine sehr freundliche und lustige koreanische Mitarbeiterin an der Wäscheausgabe. Hier ist es teilweise üblich, dass man direkt gemeinsam ein Foto macht, wenn man sich auf den ersten Blick sympathisch ist. Was die Koreaner können, kann ich auch. Ich mache daher jetzt auch immer ein Foto, wenn jemand eins mit mir machen will.

Freundliche koreanische Wäsche-Frau
Freundliche koreanische Wäsche-Frau

Als Fotomodell bin ich allerdings weniger beliebt. Mit meinen dunklen Augen und dunkleren Haaren steche ich nicht so sehr hervor. Ganz begeistert sind, vor allem Koreanerinnen, von Ewald. Er ist groß, hat blaue Augen und relativ blonde Haare. Das ist hier etwas ganz Besonderes.

Solche Begegnungen und Erlebnisse im Umfeld einer anderen Kultur sind das, was die Universiade ausmacht. Das ist es, was neben der sportlichen Leistung, im Vordergrund steht. Man soll Erfahrungen sammeln, Leute kennenlernen und sich gegenseitig austauschen. Für ein friedliches, harmonisches Zusammenleben aller Nationen, hergestellt durch den fairen Wettkampf im Sport. Eine tolle Idee, die hier besser als bei jedem Wettkampf auf dem ich bisher war, verwirklicht wird.

Universiade Feuer
Universiade Feuer

 

Schwimmen statt Taekwondo

Triumf auf der Matte
Triumf auf der Matte

Taekwondo ist DIE Traditionssportart in Korea. Es hat seinen Ursprung in diesem Land und ist in der Bevölkerung weit verbreitet. An jeder Ecke gibt es eine Taekwondo-Schule.

Wir waren sehr gespannt darauf, wie viele Zuschauer bei den ersten Wettkämpfen sein würden und in was für einer pompösen Halle die Wettkämpfe wohl stattfinden würden. Wir haben uns geirrt. Die Wettkämpfe finden in einer der ältesten Hallen, die die Universiade zu bieten hat, statt. Im Gegensatz zu Sportarten wie Turnen und Schwimmen, für die extra Hallen neu gebaut wurden, sind die Taekwondo-Wettkämpfe in einer vergleichsweise heruntergekommenen, altmodischen und ungemütlichen Halle.

Bei den Wettkämpfen sind kaum Zuschauer. Man hört nur sehr vereinzelt  Anfeuerungsrufe. Einzig und allein das koreanische Team war mit einer riesen Truppe anwesend, die ihre Teamkollegen lautstark anfeuerte.

Triumf beim Einlaufen
Triumf beim Einlaufen

Leider verliefen die Poomsae-Wettkämpfe aus deutscher Sicht nicht sehr erfolgreich. Mit Teams aus China, Chinese Taipei und Korea, hatten es die deutschen Poomsae-Starter sehr schwer. Sie konnten sich nach der ersten Runde leider nicht für weitere Läufe qualifizieren. Am Ende siegten in allen Kategorien koreanische Teams.

Aufgrund des Frühen Ausscheidens unserer Teamkollegen, hatten wir am Abend noch etwas Zeit, uns andere Sportarten anzuschauen. Caro und ich hatten endlich die Gelegenheit, unseren Zimmerkolleginnen beim Schwimmen zuzuschauen. Und das hat sich gelohnt!

Die Schimm. und Turmspringhalle
Die Schimm- und Turmspringhalle

Die Schwimm- und Turmspringhalle ist eine sehr moderne, für die Universiade neu gebaute Halle. Im Gegensatz zum Taekwondo, war hier auch richtig Stimmung. Wir hatten beide noch nie live bei einem so großen Schwimmevent zugeschaut und waren sehr davon angetan. Eine der Schwimmerinnen qualifizierte sich sogar für das Finale.

Start beim Rückenkraulen
Start beim Rückenkraulen
Start vom 200m Kraulen (Die schnellste Schwimmerin brauchte 01:59.15)
Start vom 200m Kraulen (Die schnellste Schwimmerin brauchte 01:59.15)
Unterstützung durch die Teamkollegen
Unterstützung durch die Teamkollegen

 

Kaffeefahrt mit Fisch und Farbe, GOLD für Fabian Hambüchen

Als wir an einem der letzten Tage vom Training zurück kamen, entdeckten wir einen Stand, an dem Citytouren durch Gwangju angeboten wurden. Das Angebot klang vielversprechend und uns wurde versichert, dass wir nichts dafür zahlen müssen.

Es stellte sich heraus, dass wir eine koreanische Antwort auf unsere Frage bekommen hatten: Frage: “Is it for free?” Antwort: “Yes, yes, yes!”

Die Koreaner, die ich bis jetzt kennengelernt habe, sind sehr freundlich und hilfsbereit. Sie würden nie zugeben, dass sie etwas nicht verstanden haben und würden versuchen, so gut es geht zu helfen. Die Erfahrung habe ich nun schon öfter gemacht. Als ich beispielsweise nach einem Taxi zur Turnhalle fragte, wurde ich mit ins Hauptorganisationsbüro der Universiade geschleppt und dort erstmal abgestellt. Es wurde zehn Minuten lang telefoniert, diskutiert, gemacht und getan. Zufällig lief eine Übersetzerin vorbei, die meine Helfer über meine eigentliche Frage aufklärte. Es stellte sich heraus, dass die Helfer dachten, ich hätte meinen Taekwondo Kampf verpasst und würde nach einem VIP Shuttle zur Taekwondo-Halle fragen…ein Taxi zu finden, war letztendlich ganz unkompliziert.

Wie dem auch sei: Unsere Tour kostete dann doch etwas, was sich natürlich erst dann herausstelle, als alle im Bus saßen, der bereits 20 Minuten unterwegs war. Zudem hatten die Organisatoren das geplante Programm kurzerhand umgestellt und wir schauten uns anstatt der traditionellen, koreanischen Filmkulissen, eine Färberei an.

Am Anfang fuhren wir mit einem koreanischen Boot auf einem Fluss. Auf dem Boot führten drei Sängerinnen koreanische Musik vor.

Koreanisches Boot
Koreanisches Boot
Touri-Bild mit koreanischen Sängerinnen
Touri-Bild mit koreanischen Sängerinnen

Da das Boot bei unserer Ankunft noch nicht da war, wurden wir zu einem koreanischen Plattfisch-Restaurant geführt. Hier sollten wir rohen Plattfisch probieren, der angeblich gut für Haut und Knochen ist. Triumf hat ihn seiner Haut zuliebe gegessen…

Triumf und der Fisch
Triumf und der Fisch
Der Moment, in dem man bereut, es wirklich getan zu haben
Der Moment, in dem man bereut, es wirklich getan zu haben
Genuss
Genuss

In der Färberei durfte jeder ein Halstuch mit natürlichen Farbstoffen batiken. Man konnte zwischen den Farben violett-rot (Farbe wird aus zerquetschen Läusen hergestellt) und gelb (Farbe wird aus Zwiebelschalen hergestellt) wählen. Wir mussten dafür unsere Tücher zehn Minuten lang in einer Farbbrühe durchkneten.

Caro und Yanna beim Kneten
Caro und Yanna beim Kneten

Am Ende hatte jeder eine gelbe oder eine violette Hand. Selina hat es mit ihrem weißen Nagellack besonders schwer getroffen.

Nagellack - Aus weiß wird gelb
Nagellack – Aus weiß wird gelb

Leider habe ich dabei wohl etwas falsch gemacht und mein Tuch hatte nachher kein Muster, sondern sieht jetzt aus, wie ein vergammeltes Spültuch…ich bringe es trotzdem als Mitbringsel für jemand ganz besonders mit. Ist ja schließlich selbstgemacht. 😉

In der Färberei wurden uns verschiedene natürliche Produkte vorgestellt, die zum Färben benutzt werden. Das Farbspektrum reicht hierbei von beige über sandfarben, gelb, orange, rot, violett, braun und blau. Der Farbton Indigo (blau), der aus der Indigopflanze hergestellt wird, ist in Korea besonders beliebt. Die Indigopflanze wird dort auch angebaut.

Modell: Anbau und Verwendung der Indigopflanze
Modell: Anbau und Verwendung der Indigopflanze

Gestern habe ich leider schon wieder ein tolles Event verpasst, weil wir parallel dazu Training hatten. Fabian Hambüchen gewann Gold am Reck! Herzlichen Glückwunsch! Persönlich konnte ich ihm leider nicht gratulieren. Seinen Vater habe ich allerdings nach dem Abendessen am Aufzug getroffen, und meine Glückwünsche übermittelt.

Im Vorfeld der Eröffnungsfeier
Im Vorfeld der Eröffnungsfeier