South of Iran

Nach den ersten Eindrücken in Teheran, ging es an Tag zwei unseres Trips mit dem Flieger in den Süden des Landes. Gewappnet mit noch leichterer Kleidung und Tüchern für den Kopf und der Aussicht auf über 40 Grad und hohe Luftfeuchtigkeit. ging es los zum Inlandsflughafen. Für den Ausflug in den Süden hatte sich die Reisegruppe um ein paar Freunde und Bekannte von Razieh und ihren Cousin erweitert. Nach erster Verwirrung über die räumlich getrennten Sicherheitskontrollen für Männer und Frauen und der maximalen Überforderung mit den iranischen Toiletten (ohne Papier und ausschließlich zum Stehen/ Hocken), sind wir einmal vom Norden des Landes in den Süden nach Asalouyeh geflogen. Verabschiedet wurden wir von einem Hund auf der Startbahn des Flughafens. Interessiert hat es – außer die sieben Europäer an Bord – niemanden.

Angekommen in Asalouyeh, wurde wir auch für zehn Meter über das Rollfeld mit dem Bus zum Flughafengebäude gebracht, die Taschen waren in fünf Minuten da und der Fahrer stand vor der Tür. Von der Landung zur Weiterfahrt vergingen gefühlt zehn Minuten – so schnell sind wir noch nie vom Flughafen weggekommen.

Mit iranischer Popmusik und ausgelassener Stimmung brachte der Fahrer uns zu unserem Hotel – ein absolutes Abbild aus “Tausendundeine Nacht” mit herzlichen Inhabern. Auf dem Weg dorthin durchquerten wir Gebiete, in denen die größte Menge Gas im Iran abgebaut wird. Bei Dunkelheit schossen bis zu 15 Meter hohe Flammen aus den Türmen – eine fast mystische Situation, teilweise wirkte es, als ob der Himmel brenne.

Auch für diesen Teil des Landes hatte Razieh sich die schönsten Orte für uns rausgesucht, um uns an unserem dreitägigen Aufenthalt so viel wie möglich zu zeigen. Und der Süden des Landes hatte landschaftlich einiges zu bieten. Doch zunächst stand ein kleines Kulturprogramm auf dem Plan – der Hafen von Dayyer mit einer jahrelangen Tradition der Fischerei und des Bootbaus: Männer, die händisch Fischernetze knüpfen und reparieren und Holzboote, die auf – für uns eher provisorisch wirkenden – Stelzen Schritt für Schritt und Nagel für Nagel repariert wurden.

Natürlich, wurden wir – wie auch schon in Teheran – überall von privaten Fahrern hingebracht. Nachmittags stand gleich das nächste Highlight auf dem Plan – mit einem privaten Tour Guide, der sich im Laufe des Tages als Spiderman entpuppte, ging es mit viel Trinkwasser in den Taschen, fünf Schichten Sonnencreme, Kappen und kühlenden Tüchern um den Nacken ca. 40 Minuten durch eine wüstenartige Berglandschaft bis zum Ende eines Canyons. Der erste Sprung ins Wasser war eine mehr als ersehnte Erfrischung. Insgesamt acht kleine Pools führten uns bis zum Anfang des Canyons in einer atemberaubenden Kulisse. Mit jedem weiteren Pool wurde das Wasser wärmer, sodass wir beim obersten Pool das Gefühl hatten, in einem Whirlpool zu sitzen. Mit etwas Überwindung ging es dann alle acht Pools wieder zurück, teilweise über Leitern, teilweise mit waghalsigen Sprüngen aus gefühlt zehn Metern. Nach der Wanderung zurück zum Auto entwickelte sich eine spontane Tanz-Aktion Mitten im Nichts umgeben von Bergen und einem beeindruckenden Sternenhimmel. Spätestens hier wurde klar, hinter wem sich ein absolutes Tanztalent versteckt.

Tag zwei startete für uns mit einem eher ruhigen Morgen, etwas Yoga und einem gemütlichen Frühstück – die erste Möglichkeit seit Abflug aus Köln, runterzukommen, hat uns etwas aus den Latschen gehauen. Den hohen Temperaturen, vielen Eindrücken und dem Jetlag mussten wir Tribut zollen. Doch der Nachmittag hat uns wieder jegliche Müdigkeit aus den Knochen getrieben. Mit einem kleinen Fischerboot ging es zu einem abgelegenen Strandabschnitt im persischen Golf. Meterhohe Klippen, klares Wasser – was für eine Kulisse für eine Erfrischung bei brüllender Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit! Die Fahrt mit dem Fischerboot entwickelte sich dann erneut zu einer spontanen Tanzparty – der Fischer hatte wie selbstverständlich eine riesige Box an Bord…neben dem frisch gefangenen Fisch vom Morgen in der Kühlung.

Den Süden des Landes verlassen wir mit einzigartigen landschaftlichen Eindrücken und erneut mit dem Gefühl, dass wirklich alle versuchen, uns ihr Land von der besten Seite zu zeigen.


Aus dem Iran bloggen die Spoho-Studierenden Arne Weise, Maximilian Herzog, Viola Torliene, Julia Weber, Annika Söllinger, Katrin Wallmann, Razieh Shams und Jennifer Fischer.


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