Ein Monat in Jozi, Südafrika

Wenn einem Südafrika in den Sinn kommt, denkt man vor allem an Safari, wilde Tiere und Kapstadt. Weniger jedoch an Johannesburg (Jozi) und die Provinz Gauteng, obwohl sie mit einer der wirtschaftsstärksten Regionen auf dem ganzen Kontinent ist. Und ich gebe zu, ich habe meinen Trip auch in Kapstadt angefangen, um dann auf der Garden Route innerhalb von einer Woche nach Johannesburg zu gelangen. Lustige Geschichte am Rande: In Jefferson Bay, einem meiner Stops, einem hippen, coolen Surferort, unterhalte ich mich mit Katrin und plötzlich stellt sich heraus, dass sie auch an der SPOHO studiert. „Was für ein Zufall und wie klein ist denn bitte die Welt?“ Dachten wir uns beide. Doch was hat mich hier nach genau nach Südafrika, genauer gesagt nach Johannesburg, verschlagen? Ganz einfach: Die Kooperation zwischen dem

Olympic Studies Centre der Deutschen Sporthochschule Köln und der Olympic Studies Centre der University of Johannesburg (UJ)

Das Netzwerk der Olympic Studies Centres (OSC) befasst sich mit Studien zur Olympischen Bewegung der Neuzeit ebenso wie zur Antike. Bei uns an der SPOHO ist der Olympic Studies Center am Institut für Sportgeschichte angesiedelt. Professor Wassong, Dr. Ansgar Molzberger und Dr. Jörg Krieger befassen sich aber nicht nur mit aktuell relevanten Themen zur Olympischen Bewegung, sondern sind auch meine Dozenten beim neuen Master International Sport Development and Politics. Und genau darüber habe ich von der Kooperation des OSC der DSHS mit dem OSC der UJ gehört und die Möglichkeit ergriffen, eine Art Austausch zwischen den beiden Instituten zu machen.

Der OSC der UJ, an dem ich nun schon seit zwei Wochen einigen spannenden Projekten nachgehe, ist der erste seiner Art auf dem Afrikanischen Kontinent. Der OSC der UJ befasst sich vor allem mit der Olympischen Bewegung in südafrikanischen Ländern ebenso wie mit dem Thema „Sport Development“. Meine Professorin Cora Burnett ist nicht nur eine extrem bewanderte Person auf diesen beiden Gebieten, sondern hält auch Beziehungen zu anderen interdisziplinären Studienfeldern wie beispielsweise unserem Institut für Soziologie unter der Leitung von Professorin Ilse Hartmann-Tews. Das Netzwerk, das der OSC der UJ zu den verschiedenen sportlichen Institutionen in Südafrika hat und zu deren einflussreichen Persönlichkeiten, ist ziemlich beachtlich. Nach den ersten Wochen habe ich das Gefühl, dass der OSC es hier schafft, natürlich zu wachsen und sich selbst als feste Größe international zu positionieren. Denn genau hier liegt der große Vorteil des OSC der UJ:

Das Wissen um verschiedene (Forschungs-) Projekte zu realisieren kommt aus dem Herzen Afrikas

Im Gegensatz zu Organisationen, die kommen und gehen und versuchen, verschiedene Entwicklungshilfe Projekte anzustoßen, weiß das OSC mit Kultur und der Mentalität umzugehen. Und das muss nun einfach einmal gesagt werden: Ich würde mich als kulturell sehr offen und verständlich beschreiben aber egal wie sehr ich auch versuche mich hier einzuleben, ich werde niemals so denken können wie jemand, der hier aufgewachsen ist. Professorin Burnett und auch Professor Charl J. Roux sind hier aufgewachsen und können deshalb das Land nicht nur verstehen, sondern haben auch das Wissen und das Netzwerk Projekte umzusetzen.

Hier komme ich wiederum ins Spiel. Normalerweise hätte ich gedacht, dass man innerhalb von insgesamt vier Wochen, in denen ich da sein werde, nicht viel machen kann, aber ich wurde schnell eines Besseren gelehrt. In gleich drei Projekten bin ich involviert, zudem halte ich einen Gastvortrag über die „The Modern Olympic Movement“.

Schon einmal was von Ernst Jokl oder Renate Potgieter gehört?

Ich, bevor ich hier nach Südafrika kam, jedenfalls nicht. Wobei mir der Name „Ernst Jokl“ schon irgendwie, irgendwo einmal begegnet ist, dachte ich und so falsch lag ich gar nicht. Schaut einmal nach auf dem Schild zwischen Mensa und ZB Sport, dort gibt es den „Ernst Jokl Platz“. Und eben dieser Jokl war maßgeblich daran beteiligt „Physical Edication“ in Südafrika weiterzuentwickeln. Über ihn hat Professor Roux, der übrigens an der DSHS den M.A. Olympic Studies besucht hat, ein Paper geschrieben, bei dem ich ihm nun helfe, die Inhalte auf einem Poster zu visualisieren.

Gert und Renate Potgieter habe ich im Rahmen meines zweiten Projektes kennengelernt, bei dem Sportpersönlichkeiten Südafrikas mit besonderen Lebensgeschichten vor einer Kamera interviewt werden. Ziel ist es, ein Archiv aufzubauen und ihre Geschichten zu bewahren. Renate Potgieter, eigentlich eine geborene Junker, war bei Olympia 1960 die beste westliche Weitspringerin mit Platz 4 und hat ebenfalls an der Sporthochschule studiert – damals noch unter Professor Hollmann. Gert, gebürtiger Südafrikaner, der zu Zeiten der Apartheid Weltrekordhalter der 400m Hürden war, hat einige Zeit an der Sporthochschule studiert – Renate war seine Dozentin. Ob so etwas heutzutage noch möglich wäre?

Der Ausschluss Südafrikas bei Olympischen Spielen zwischen 1964 und 1988 wegen der Apartheidgesetze ist Teil meines dritten Projektes. Ich habe zwar von Apartheid schon einmal gehört, dass die internationale Sportgemeinschaft das südafrikanische Nationale Olympische Komitee so lange suspendiert hatte, war mir jedoch neu. Mit einem Online-Archiv, das ich mit Hilfe von Originalbriefen aufbaue, kann im nächsten Schritt die Rolle verschiedener Länder und NOC’s der Prozess der Suspendierung nachvollzogen werden. Ihr fragt euch sicherlich nach den ganzen akademischen Ausführungen: Ist der Gute nur in der Uni am Olympic Studies Centre und hat gar kein Privatleben dort oder

Wie sieht das Leben in Johannesburg aus?

Johannesburg ist ein Melting Pot. Viele verschiedene Kulturen leben hier. Nicht nur verschiedene Stämme Südafrikas, sondern auch Menschen aus anderen südafrikanischen Ländern wie Simbabwe. Ich lebe in einem Studio des Künstlerviertels Maboneng. Rauszugehen, ohne sich fürchten zu müssen, ausgeraubt zu werden, ist nur in einigen Stadtvierteln möglich. Und obwohl es gerade einmal 1,5 Kilometer zu meinem Campus sind, muss ich immer Uber nehmen, da mir jeder davon abgeraten hat, zu laufen oder Fahrrad zu fahren. Das ist schon ziemlich viel Freiheit, die einem genommen wird. Diese Freiheit zu laufen wo man möchte, wird eine Sache sein, die ich in Deutschland auf jeden Fall mehr schätzen werde nach meinem Aufenthalt. Ich dachte am Anfang „Naja, die Leute übertreiben bestimmt“, aber wenn dir wirklich jeder den Rat gibt, keine öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen und nicht zu laufen, dann hält man sich daran.

Die UJ ist eine der größten Universitäten des Landes und dazu sei gesagt, Sport hier ist ähnlich wie in den USA. Nur schaut man sich in Südafrika nicht Football, sondern Rugby an. Ich habe hier mein erstes Rugbymatch besucht und kann nur sagen: Der HAMMER! Die Atmosphäre auf den Rängen war eine Mischung getrieben von Musik, Party und Anfeuerungen und vielleicht auch ein bisschen, weil wir 60:8 gewonnen haben.

Die Distanzen innerhalb des Landes sind zwar für uns Deutsche riesig, allerdings ist man auch super schnell in wunderschöner Natur. Genau da fahre ich am Wochenende mit ein paar internationalen Studierenden hin. Ich bin gespannt, was mich in den kommenden Wochen noch erwartet und werde davon berichten, ebenso wie über das Thema Apartheid, Rassismus und Sport.

Bis dahin,

Tim

Ein Beitrag  von Tim Sperber


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