Mit Sport eine Verbindung schaffen

Abgestempelt mit einem blauen „GiB“ auf dem Handrücken betreten die Zuschauer den großen Hörsaal der Sporthochschule. Nicht nur Studierende strömen neugierig in den abgedunkelten Raum, auch ein paar Externe sind unter den Gästen. Vorfreude und Spannung liegen in der Luft, als quietschend Sitze hinunter geklappt werden. Im Hintergrund läuft leise Musik und über der Bühne wirft der Beamer einen hell leuchtenden Screen an die Leinwand: „Grenzenlos Kinonacht“. Schon zum zweiten Mal verwandelt der Verein „Grenzenlos in Bewegung – Spohoaktiv“ den Hörsaal in ein Kino. Gezeigt wird in diesem Jahr der Film „Gaza Surf Club“, eine Dokumentation über die Menschen im Gazastreifen, die in Armut und Krieg, Trümmern und Hoffnungslosigkeit leben. Dennoch haben sie etwas, das sie antreibt, etwas, das ihrem Leben einen Sinn gibt: Das Meer und die Wellen, auf denen sie surfen können. Mit dem Sport können sie ihren Alltag für einen Moment vergessen, für wertvolle Augenblicke glücklich sein.

Diese Ablenkung haben sich auch die GiBler zum Ziel gesetzt. Gemeinsam bieten sie in den Flüchtlingsunterkünften in Köln Sportprogramme für die Geflüchteten an. Dabei geht es nicht um Training und Leistung, sondern den Spaß, den man beim Sport miteinander erleben kann. Angefangen hat alles ganz klein: Aus einem Seminar heraus haben Studierende 2015 den Verein gegründet. Mittlerweile umfasst er über 120 Mitglieder, die mit 14 Sportangeboten in Köln aktiv sind. Wie in den Unterkünften hält der Alltag in Gaza für die Menschen nur wenig Raum für sportliche Aktivitäten bereit, umso begeisterter stürzen sie sich auf ihren Brettern in die Wellen. Mit ähnlich großer Freude nehmen die Kölner Flüchtlinge an den Sportprogrammen teil. Die anfänglichen Fußballangebote für Männer haben sich mittlerweile ausgedehnt in ein breites vielfältiges Spektrum. Mit dabei sind Yoga- und Fitnessprogramme für Frauen, Spiel-, Tanz- und vor allem Spaß-Angebote für Kinder. Die Bewegung schafft nicht nur Ablenkung, sondern schlägt auch Brücken zwischen den Bewohnern, aber auch in die fremde deutsche Kultur. Im Sport verlieren sich Sprachbarrieren und Fremdheit, der Unterschied zwischen Einheimischem und Flüchtling, zwischen Deutschem und Ausländer wird überwunden. Fußball ist Fußball, Yoga ist Yoga. Zusammen Sport zu machen, schafft eine neue Ebene, auf der es sich leichter kommunizieren, aber auch integrieren lässt. Somit werden, wie in den Leitsätzen des Vereins festgehalten, Bewegung gefördert, sich grenzenlos begegnet und Möglichkeiten geschaffen. Ein neuer Weg der Integration und die Idee funktioniert: Knappe zehn Flüchtlinge haben sich in den Hörsaal getraut und sitzen jetzt, ein bisschen schüchtern, aber entschlossen, zwischen den vielen deutschen Studierenden, um sich gemeinsam den Film der zweiten Grenzenlos Kinonacht anzuschauen.

Ein Beitrag von Sabine Lerche


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