Die großen Abschlusstests

Teilnehmer Adam testet seine Griffkraft

Seit Ende Januar ist es soweit: Projekt DENKSPORT gipfelt in seinen geplanten Höhepunkt mit zahlreichen Abschlusstests, bei denen die Probanden ganz genau unter die Lupe genommen werden. Natürlich werden schwerpunktmäßig auch die kognitiven Leistungen untersucht: Besonders hier erhoffen sich die Wissenschaftler einen spürbaren Unterschied der Sportgruppen im Vergleich zur Kontrollgruppe, welche das vergangene Jahr an keinem der angebotenen Sportkurse teilnehmen sollte.

Probandin Edith am EEG

Eine der Testungen sah konkret die Messung verschiedener Gehirnaktivitäten mit dem EEG (Elektroenzephalografie) vor. Nach einer Ruhemessung unterziehen sich die Teilnehmer dem so genannten „Oddball-Paradigm“. Hierbei werden den Probanden zwei unterschiedliche Töne  vorgespielt. Sobald sie den hohen Ton hören, müssen Sie per Knopfdruck auf diesen möglichst schnell reagieren. Das EEG misst hierbei  die elektrische Aktivität des Gehirns und prüft welche Regionen bei den entsprechenden Prozessen aktiv sind.

Parallel werden außerdem noch die körperlichen Funktionen mit einer standardisierten Testbatterie erfasst. Neben Gangparametern, die durch Gangtests mit verschiedenen Aufgabestellungen (z.B. Gehen in Kombination mit einer Rechenaufgabe oder einer veränderten Kopfposition) erhoben werden, werden auch Tests zur Gleichgewichtsfähigkeit und zur Kraftfähigkeit (Z.B. Handgriffkraft) durchgeführt. Diese Menge an Untersuchungen ermöglicht den Wissenschaftlern eine Vielzahl von Analysemöglichkeiten. So kann die Kombination von Handgriffkraft und Gangparametern zum Beispiel ein Hinweis auf Sarkopenie (Muskelschwund) darstellen. Vielen Probanden scheint der Sport jedoch gut getan zu haben, sodass sie die Tests oft zur Zufriedenheit der Wissenschaftler erledigen konnten.

Neben den körperlichen Tests gibt es zusätzlich noch verschiedene Fragebögen, mit deren Hilfe die kognitive Leistungsfähigkeit, aber auch das Wohlbefinden und körperliche Aktivitäten erfragt werden sollen. Abschließend wartet noch ein Belastungs-EKG auf die Teilnehmer, hierbei muss auf einem Fahrradergometer ein körperlicher Belastungstest absolviert werden. Doch nicht nur für die Probanden hält so ein Untersuchungstag körperliche und mentale Herausforderungen bereit, auch die Tester verbringen teilweise bis zu 10 Stunden am Tag mit prüfen, messen und erklären – ein durchaus anstrengender Job.

Zudem war diese Untersuchung nur ein Teil der großen Abschlusstests. Auch Untersuchungen mit einem sogenannten transkranialen Doppler zur Analyse der zerebralen Blutflussgeschwindigkeit stehen kurz darauf an, da alle Tests mit den insgesamt 60 Probanden mehr oder weniger parallel über wenige Wochen verteilt durchgeführt werden. Mit dem transkranialen Doppler wird, ohne dabei den Körper zu beschädigen (bspw. durch Einstiche), der zerebrale Blutfluss gemessen, welcher die Grundlage zur Sauerstoff- und Nährstoffversorgung des Gehirns darstellt. Hierfür wird die Sporthochschule von einem australischen Team der University of Sunshine Coast um USC- und SpoHo-Student Timo Klein und unter der Leitung von Prof. Chris Askew unterstützt, welches extra für die Untersuchungen nach Köln geflogen ist und teilweise zu diesen Forschungen promoviert.

Die australischen Wissenschaftler Timo und Annelise stellen der Probandin Aufgaben

Nachdem mittels der Apparatur die richtige Arterie am Kopf gefunden wurde, konzentrieren sich die Wissenschaftler auf die Veränderung der Gehirndurchblutung und untersuchen diese bei verschiedenen Funktionstests. Verlangt wird von den Probanden dabei, bei einem Atemtest die Luft mehrere Male anzuhalten oder wiederholtes aufstehen und hinsetzen, während die Messungen laufen. Unter anderem untersuchen die Forscher die Arteriensteifigkeit und die Endothelfunktion, welches gute Indikatoren für kardiovaskuläre Erkrankung sind.

Während die Wissenschaftler die kommende Zeit mit dem Auswerten der Daten beschäftigt sind, ist für Teilnehmer und Interessierte von Projekt DENKSPORT noch längst nicht Schluss. Aufgrund der durchweg positiven Resonanz seitens der Teilnehmer und der Tatsache, dass viele Senioren den Sport als wesentlichen Bestandteil in ihrem Leben etablieren konnten, bemühen sich die Initiatoren, das Projekt noch weitere Monate laufen zu lassen und idealerweise langfristig zu etablieren. Hierfür sind Angebote und Aktionen über das Jahr 2017 verteilt. Bis zum nächsten Highlight ist es nicht fern, denn bereits am 11. März 2017 ist ein großer Aktionstag zum Thema „Bewegen gegen Demenz“ geplant. Hier dürfen alle interessierten zwischen 10 und 15 Uhr kostenfrei in Kurse reinschnuppern und Informationen rund um das Thema Demenz erlangen.

Mehr Infos zu Projekt DENKSPORT

Infos zum Aktionstag am 11. März

 

Ein Beitrag von Oliver Riedel


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