„Und auf einmal dachte ich: Das ist meine Möglichkeit!“

Loris vor dem Eingang der Deutschen Sporthochschule
Loris vor dem Eingang der Deutschen Sporthochschule

 

Loris Castellani (23), gelernter Informatiker und ehemaliger Fabrikarbeiter aus Parma, ist vollwertiger Student der SpoHo und vollkommen auf eigene Faust in Deutschland, im Gegensatz zu ausländischen Studenten des Erasmus-Programms. Nun will er sich etwas Eigenes aufbauen und die Perspektive nutzen. Heimweh? Weit gefehlt.

 

Julian: Ciao Loris! Zuallererst eine Frage zu deiner Person: Aus welcher Sportart kommst du?

Loris: Ich war vor allem in den Sportarten Boxen und Brazilian Jiu Jitsu aktiv, was ich drei Jahre lang nach meiner Rolle als Fußballtorwart in einem lokalen Verein gemacht habe. Torwart war ich nur bis ich 14 Jahre alt war, dann kam der Kampfsport.

 

… Und was studierst du an der SpoHo?

Momentan studiere ich hier SGP, also „Sport in Gesundheit und Prävention“.

 

Was hat dich dazu getrieben, Italien zu verlassen und an der SpoHo zu studieren? Oder war das schon immer dein Traum?

Eigentlich war das alles recht zufällig. Ich habe 2011 meinen Abschluss als Informatiker in Italien gemacht und wollte ursprünglich auch als solcher arbeiten. Allerdings war es ziemlich schwierig für mich, in Italien eine Arbeit zu finden, da ich auch keine Kontakte in der Branche hatte, über die es hätte klappen können. Schließlich habe ich ein paar Monate als Fabrikarbeiter mein Geld verdient und selbst da war es nicht so einfach, einen Job zu kriegen. Meist waren das Schwarzverträge oder befristete Verträge für drei Monate, ansonsten habe ich Promoter-Tätigkeiten übernommen, das war nicht so cool (lacht).

Während dieser Zeit und sonst auch, bekam ich regelmäßig Anrufe von meinem italienischen Onkel, der aber schon jahrelang in Düren wohnt. Er fragte mich immer, wie es bei mir so läuft. Und auf einmal dachte ich: Das ist meine Möglichkeit! Nach Deutschland zu gehen und etwas zu entwickeln. Ich habe mir gesagt, warum eigentlich nicht? Letztendlich bin ich im August 2013 nach Deutschland gekommen.

 

War es für dich schwierig, Fuß zu fassen und dich in einem neuen Umfeld zu organisieren? Gibt es eventuell kulturelle Unterschiede?

Hm… das war für mich nicht so schwierig. Ich habe mich natürlich in Alltagssituationen manchmal etwas unwohl gefühlt, aber dann habe ich daran gedacht, dass es für einen Deutschen in Italien auch Kommunikationsprobleme gibt, wenn mal einer etwas undeutlich spricht. Ich weiß nicht ob’s daran liegt, aber in Norditalien sind wir ähnlich wie die Deutschen gestrickt. Wir haben auch ähnliche Traditionen. Vielleicht nicht ganz so geregelt und organisiert, aber es geht schon in die richtige Richtung, was das angeht… Bei den Süditalienern ist das anders, man könnte sagen, dass Deutsche und Österreicher zum Beispiel mehr gemeinsam haben, als Nord- und Süditaliener (lacht).

 

… Was hat dich so motiviert, das alles gut zu bewältigen?

Ich hatte den Willen, es den anderen Leuten auf dem Land zu zeigen. Ich komme ja aus einem kleinen Dorf neben Parma und wollte mich beweisen.

 

Du kannst ausgesprochen gut Deutsch, wie hast du dir das beigebracht? Nimmst du Unterricht oder hast du welchen bezogen?

Haha, danke! Am Anfang hatte ich ein wenig Angst, weil ich wirklich gar keine Deutschkenntnisse hatte. Als ich herkam, wollte mein Onkel mir es beibringen, aber das war unmöglich mit ihm. Er war bei jedem noch so kleinen Fehler viel zu streng mit mir, das hat mich fast zum Aufgeben gebracht (lacht). Wirklich Deutsch gelernt habe ich sechs Monate lang an einer privaten Sprachschule namens „Carl Duisberg Centrum“, hier in Köln am Hansaring… Und als mir dann klar wurde, dass ein Studium an der Sporthochschule für mich in Frage kommt, habe ich an der SpoHo ebenfalls einen Sprachkurs belegt. Die Namen der Leiter habe ich aber vergessen (lacht).

 

Wie verhält es sich bei dir mit dem Heimweh?

Also Heimweh habe ich manchmal, wenn ich nach Italien geflogen bin und dann nach Deutschland zurückkehre. Dann spüre ich so etwas Ähnliches wie Heimweh. Im Grunde war das die ersten beiden Jahre so, aber mittlerweile ist das schon mein drittes Jahr in Deutschland. Von daher ist das nicht mehr so aktuell. Nein, eigentlich habe ich kein Heimweh.

 

Was sollte man in Italien unbedingt besuchen?

Als Tourist würde ich unbedingt Rom und Florenz besuchen, wenn man Interesse an kulturellen Orten hat. Also an Denkmalen und Sehenswürdigkeiten und so. Da können diese beiden Städte einfach am meisten bieten.

 

… Gibt es auch Geheimtipps in deiner Region fernab vom Massentourismus?

Puh, schwierige Frage… In Parma gibt es natürlich massenhaft Parmesan und Schinken, aber sonst, keine Ahnung (lacht). Vielleicht ein paar Schlösser oder Brücken, aber da kenn’ ich mich nicht so aus.

 

Was ist dein Traumberuf?

Mein Traumberuf wäre, vielleicht bei einem Sportverein oder auch an einem Kurklinikum als Physiotherapeut oder so zu arbeiten. Dabei würde es mir vor allem Spaß machen, Menschen bzw. Patienten zu helfen, damit sie wieder fit werden. Ich finde die Vorstellung gut, dass ich jemandem durch meine Behandlung wieder Dinge ermöglichen kann und dass sie dadurch wieder weniger eingeschränkt sind.

 

 

Planst du bereits deine Rückkehr nach Italien nach Abschluss des Bachelors oder bleibst du uns hier erhalten?

Stand jetzt würde ich hierbleiben, weil die Lage in Italien schwierig ist. Es wird viel darüber geredet, die Arbeitssituation dort zu verbessern. Aber da müsste für mich schon eine echt gute Stelle bei einem Sportverein kommen.

 

… Also könnte es sein, dass du durch dein Studium hier an der SpoHo auch bessere Perspektiven in Italien hättest?

Ja, klar. Ich weiß nicht, ob die Sporthochschule in Italien so bekannt ist, bestimmt nicht so wie in Deutschland, aber im Grunde trifft das auf jeden Fall zu.

Im Moment habe ich nicht wirklich vor, zurückzukehren. Ich würde sagen, die Wahrscheinlichkeit liegt bei 70:30 % für Deutschland (lacht).

 

Was gefällt dir an der SpoHo und was nicht? Was ist deine Lieblingsveranstaltung/ -kurs/ -vorlesung?

Mir hat vor allem letztes Semester BAS1 Spaß gemacht, also Physiologie und so. Das ist ja auch vom Grundsatz her meine Studienrichtung. Ich freue mich schon darauf, die ganzen SGP Seminare zu machen, da habe ich bis jetzt noch nicht so viele gehabt. Und was mir nicht so gefällt, puh, … vielleicht das Personal in der Bib, die sind ein bisschen zu streng (lacht). Nein, keine Ahnung. Ich finde es einfach toll hier, weil man auch nicht merkt, wie schnell die Zeit vergeht. Eine wirklich schlechte Sache fällt mir nicht ein.

 

Ein schöner Schlusssatz. Grazie, Loris !

 

Ein Interview von Julian Tilders


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