Über Studium mit Behinderung: Ein Interview mit Thomas Abel

Im Rahmen unseres Projektes, ein Hochschultagebuch über ein Semester an der Sporthochschule zu erstellen, traf ich mich am 22.6.16  mit Herrn Prof. Dr. Abel, dem Professor für Behindertensport, in seinem Büro, um mit ihm über dieses Themenfeld an unserer Hochschule zu sprechen und ein genaueres Bild über dieses Thema bei uns an der SpoHo zu bekommen.

 

Prof. Dr. Thomas Abel,
Prof. Dr. Thomas Abel

 

Küther: Herr Abel, wie behandelt die Sporthochschule das Thema „Behindertensport“ und wie positionieren Sie sich dazu?

Abel: Wir wollen Inklusion an unserer Hochschule nicht nur als Thema haben, sondern das Ganze auch leben. Wir haben so grob 20-30 Studierende mit einem Grad einer Behinderung. Mir ist es  besonders wichtig zu zeigen, dass man hier bei uns an der SpoHo auch mit einer Behinderung studieren kann. Uns liegt dieses Thema sehr am Herzen.

 

Was gibt es für Veranstaltungen, bei denen man mit dem Thema in Berührung kommt?

Da gäbe es zum einem den Köln Marathon, wo wir mit einer gemischten Staffel aus Leuten mit körperlicher Einschränkung und ohne Einschränkung an den Start gehen wollen. Zum Teil sind die Staffeln sehr prominent besetzt. Der Präsident des Behindertensportverbands, erfolgreiche paralympische Athleten und einige Mitglieder aus Landtag und Bundestag sind vertreten. Hinzu kommt noch, dass wir auch versuchen dieses Thema in den Unterricht zu integrieren. Das geht von Rollstuhlbasketball bis hin zu Sporteinheiten mit dem Leistungszentrum in Frechen. Und selbstverständlich der Eignungstest. Hier gibt es eine spezielle Vorgehensweise, bei der die Behinderung berücksichtigt wird. In Watte wird bei uns jedoch keiner gepackt. Dort werden die Einzelfälle von uns diskutiert und anschließend entschieden.

 

Und untereinander an der SpoHo? Wie kommen die Studierenden in Kontakt?

Bald wird es eine Art Begegnungscafé geben, wo die Studenten die Möglichkeit haben sich auszutauschen und sich besser kennenzulernen. Man könnte grillen und vorher eine gemeinsame sportliche Aktion planen. Dort gibt es viele Möglichkeiten. Ich freue mich über die große Bereitschaft unserer Studenten.

 

Würden Sie sagen die SpoHo hat einer Vorreiterrolle beim Thema Behindertensport?

Klar hat die Sporthochschule entschieden dieses Thema besonders zu fördern. Meine Professur setzt sich mit dem paralympischen Sport auseinander und ich bin dankbar, dass ich hier viele Dinge anschieben kann. Dennoch gibt es selbstverständlich auch andere Mütter mit hübschen Töchtern. Grundsätzlich ist es natürlich wichtig sich untereinander zu befruchten und sich innerhalb der sportwissenschaftlichen Fakultäten auszutauschen. Das sorgt für Fortschritt und ermöglicht neue Wege zu gehen.

 

Könnte man noch mehr Leute dazu motivieren ein Sportstudium mit Behinderung hier anzufangen?

Ich würde mir wünschen, dass es sich noch weiter verbreitet. Oft verhält es sich so, dass der Eignungstest in der Öffentlichkeit schwieriger dargestellt wird, als er eigentlich ist. Sicherlich können noch viele Dinge verbessert werden und die Haltung zu dem Thema muss weiterhin wachsen. das ist entscheidend. Ich kann noch 19 Jahre arbeiten und ich denke ich habe auch noch 19 Jahre Arbeit.

 

Darauf aufbauend hätte ich noch ein Gedankenspiel. Nehmen wir an, Sie hätten unbegrenzte finanzielle Mittel oder einen Wunsch frei an Ihrem beruflichen Themenkomplex etwas zu verändern…Was wäre ihr Wunsch?

Dass die Haltung der Menschen zum Thema Behindertensport sich weiterhin verändert und heranwächst. Es kann völlige Normalität werden, aber es dauert noch. Selbstverständlich gebe es jedoch auch bauliche Maßnahmen, die ich vornehmen würde. Dennoch denke ich, dass die Haltung das Wichtigste ist, was sich weiterhin ändern muss und wird. Wir sind auf einem guten Weg!

 

Vielen Dank für Ihre Zeit!

 

Ein Interview von Leon Küther


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